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Interview

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«MASSARBEIT STATT MASSENWARE»

In der fünften Generation führt Christoph Riedel den Traditionsbetrieb Peter Riedel Metallbau und Schlosserei AG, die mit 15 Mitarbeitenden fest im Basler Stadtgefüge verankert ist.

Christoph, wie bringst du die Essenz einer Schlosserei von 1888 in die heutige Zeit?

Christoph Riedel (CR): Das Fundament ist die Freude am Metallbau und an Spezialanfertigungen. Wir arbeiten hier nicht wie am Fliessband. Jedes Projekt stellt neue Anforderungen an die Mitarbeitenden. Das macht die Arbeit spannend. Es geht darum, das traditionelle Verständnis zum Material mit modernen Fertigungsmethoden zu verbinden.

Welchen «fachlichen Feinschliff» verlangst du von deinen Lernenden, bevor sie auf die Montage dürfen?

CR: Die technischen Skills und mathematischen Grundlagen eignen sich die Jungen während der Lehre an. Darum sind für mich Begeisterung und Freude wichtigere Eigenschaften, die Lernende mitbringen müssen. Klar: Noten sind wichtig, aber ich werte den persönlichen Einsatz und den Willen, etwas zu «reissen», höher.

Wie sieht euer Weg aus, um die richtigen Talente zu finden?

CR: Wir geniessen als Traditionsbetrieb einen sehr guten Ruf bei der Kundschaft und Architektinnen und Architekten, was uns Bewerbungen einbringt. Von etwa 15 Bewerbenden lade ich fünf zum Gespräch ein. Drei davon erhalten die Chance auf eine Schnupperlehre. Das ist der entscheidende Moment: Passt der Beruf? Passt der Mensch ins Team? Mit dieser Methode bilden wir aktuell zwei bis vier Lernende aus.

Es gibt auch Aktionen direkt an den Schulen. Was hat es mit «Metall + Du macht Schule» auf sich?

CR: Das ist eine Initiative des Verbands. Unsere Leute gehen in die Werkklassen und fertigen mit den Jugendlichen kleine Objekte, zum Beispiel ein Raclette-Öfelchen. Das kommt extrem gut an. Es nimmt die Berührungsängste und lässt die Schülerinnen und Schüler erleben, wie befriedigend es ist, am Ende des Tages ein selbstgefertigtes Produkt in den Händen zu halten.

Leon Gutknecht, du stehst im vierten Lehrjahr. War für dich als Sohn eines Metallbauers der Weg vorgegeben?

Leon Gutknecht (LG): Ja und nein. Ja, die Faszination war früh da. Ich habe schon als Schüler in den Sommerferien im Betrieb meines Vaters mitgeholfen. Und nein: Natürlich habe ich auch in andere Branchen hineingeschnuppert, um mir ein Bild zu machen über die Möglichkeiten, die es gibt. Aber am Ende hat mich der Metallbau doch am meisten gepackt. Die Arbeit mit dem Material und die Sichtbarkeit der Ergebnisse überzeugen mich.

Christoph, wie stark hat die Digitalisierung euren Beruf verändert?

CR: Der Anteil der Planung im Büro ist grösser geworden. Viele Zwischenprodukte werden heute gelasert, was die Arbeit präziser, anspruchsvoller und vielseitiger macht. Trotz aller Technik bleibt es aber klar ein handwerklicher Beruf. Man muss zupacken können.

Riedel ist ein Basler Urgestein. Welche Anforderungen stellt das Bauen im engen Stadtkanton an eure Ausbildung?

CR: Basel ist dicht besiedelt und legt Wert auf Denkmalpflege. Das ist unser Glück, denn hier braucht es keine Stangenware, sondern individuelle Lösungen. Schwierig ist manchmal die Logistik. Mit den Montagefahrzeugen zu den Kunden zu kommen und Parkplätze zu finden, ist eine tägliche Herausforderung. Diese verlorene Zeit bezahlt uns niemand.

Leon, wenn du heute durch Basel gehst: Siehst du schon deine eigenen Spuren in der Stadt?

LG: Ja, absolut. Ob ein Geländer oder eine Tür – man verbindet die Konstruktionen immer mit einer Geschichte oder einem Erlebnis auf der Baustelle. Die Stadt erzählt mir durch meine Arbeit immer mehr solcher Geschichten. Das macht stolz.

Welchen Rat gibst du Jungen, die noch unschlüssig sind?

LG: Informiert euch breit und macht unbedingt Schnupperlehren. Man muss nicht den Beruf für die nächsten 50 Jahre festlegen, aber man sollte die vier Jahre Lehre konsequent durchziehen. Gut qualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker sind heute gesucht. Allein schon darum lohnt sich eine Lehre im Handwerk.

Wie geht es bei dir nach dem EFZ weiter?

LG: Ich hänge die Ausbildung zum Konstrukteur an und will danach an die SMT, die Schweizerische Metallbau Techniker Schule. Mein Ziel ist es, Fachwissen an der Schnittstelle zwischen Architekten und Metallbau zu erlangen. Und irgendwann steige ich dann wohl auch in den elterlichen Betrieb ein und werde mithelfen. Dann nicht nur in den Sommerferien (lacht).

Christoph, ein Schlusswort zur Karriere im Handwerk?

CR: Das Handwerk hat heute mehr denn je goldenen Boden. Anders als viele Bürojobs werden unsere Tätigkeiten nicht so rasch durch KI ersetzt. Die Ausbildung ist international anerkannt und bietet enorme Aufstiegschancen. Man kann Konstrukteur werden, an der SMT Weiterbildungen absolvieren, die BM machen oder Richtung Ingenieur gehen. Auch für Frauen und Quereinsteigende bieten sich hervorragende Karrieremöglichkeiten.

Wir sind Zukunft.
Wir sind Handwerk.

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