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Interview

«E Lehr bringt mehr»
Patrick Knecht von der Schreinerei Renggli spricht im Interview über die Faszination Holz, den Wert historischer Nachbauten und über einen alten, aber noch immer aktuellen Slogan.
Mit der Kampagne «Zukunft Handwerk» zeigt der Gewerbeverband Basel-Stadt die Vielseitigkeit moderner Handwerksberufe auf. Patrick Knecht, der bereits im Kindergarten seinen Grossvater beim Ausbau von
Dachstöcken bewunderte, führt heute einen Betrieb, der den Spagat zwischen technischer Digitalisierung und traditioneller Handarbeit meistert.
«kmu news»: Patrick Knecht, Ihr Weg ins Handwerk scheint fast vorgezeichnet gewesen zu sein. War die Werkstatt für Sie schon immer der logische Ort?
Patrick Knecht: Mein Grossvater war Zimmermann, und schon als kleines Kind im Kindergarten habe ich ihn bewundert, wenn er am Dachstock arbeitete. Für mich stand früh fest, dass ich mit Holz arbeiten will. Die Wahl des Schreinerberufs lag da auf der Hand. Geprägt haben mich später vor allem die Berufslehre, in der ich Disziplin und Präzision lernte, sowie meine Weiterbildungen zum Fertigungsspezialisten und Projektleiter.
Wie stark hat sich das Berufsbild seit Ihrem Einstieg verändert?
Der Job hat sich fortlaufend modernisiert. Man benötigt heute eine deutlich höhere technische Affinität, da unsere Maschinen, insbesondere im CNC-Bereich, weitgehend digital funktionieren. Stillstand können wir uns nicht leisten, doch gleichzeitig bleibt es essenziell, das Traditionelle zu bewahren.
Worin unterscheidet sich Ihre Arbeit in einem Fachbetrieb von der industriellen Massenfertigung?
Es dreht sich alles um die Zeit, die man in ein Werkstück investieren kann. Ich behaupte nicht, dass das in einem Kleinbetrieb per se besser ist als in einem Grossbetrieb, aber wir können sicherlich viel gezielter auf spezielle
Kundenwünsche eingehen. Ein gutes Beispiel sind historische Nachbauten, etwa bei Fenstern. Je mehr Zeit man sich hier nehmen kann, desto näher kommen diese Nachbauten dem Original. Das wird oft auch explizit eingefordert, zum Beispiel von der Denkmalpflege. Am Ende verkaufen wir etwas, das wir noch mit den eigenen Händenhergestellt haben.
Das Handwerk kämpft mit einem Arbeitskräftemangel. Woran liegt das Ihrer
Meinung nach?
Der Arbeitskräftemangel ist omnipräsent. Das liegt massgeblich am Image, das oft durch Medien oder soziale Netzwerke verzerrt wird. In amerikanischen Filmen etwa werden oft nur die College-Studenten als «cool» dargestellt, während die Arbeit in einer Werkstatt abgewertet wird. Wir müssen vor allem junge Menschen, aber auch vermehrt Frauen und Quereinsteiger abholen.
Können Quereinsteiger/-innendie Lücke füllen?
Sie sind definitiv ein Weg, um dem Mangel zu begegnen. Allerdings dürfen wir qualitativ keine Abstriche machen. Die Anforderungen an Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger sind genauso hoch wie bei Mitarbeitenden mit einer regulären Berufslehre.
Welche Botschaft haben Sie für Jugendliche, die vor der Berufswahl stehen und nicht sicher sind?
Der Slogan «E Lehr bringt mehr» ist zeitlos. Das ist überhaupt der beste Slogan, den es je gab. Er ist alt. Aber er trifft noch heute zu wie damals. Die Berufslehre ist nämlich eine Lebensschule, die in der prägenden Phase zwischen 15 und 20 Jahren Gemeinschaftssinn und Verantwortungsbewusstsein vermittelt. Zudem stehen einem danach alle Wege offen
– bis hin zum Studium. Man steht früh auf eigenen Beinen und kann eine beeindruckende Karriere starten.
Wir sind Zukunft.
Wir sind Handwerk.
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